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Integrierten Lösungen gehören die Zukunft


Dr Schmuecker           Prof. Dr. Paul Schmücker ist Dekan der Fakultät für Informatik an der Hochschule Mannheim, Leiter der AG "Informationssysteme im Gesundheitswesen" der GMDS e.V. und einer der führenden Experten zur medizinischen Dokumentation in Deutschland.

 

Medizinische Dokumentation wird in der Öffentlichkeit wenig beachtet; für die medizinische Leistungserbringung jedoch grundlegend. Vor welchen Herausforderungen in der Dokumentation stehen wir heute?

Unser Institut hat berechnet, dass im deutschen Gesundheitswesen jährlich 5 Milliarden Dokumente erzeugt werden. Diese sind äußerst vielfältig, vom Arztbrief bis hin zum Röntgenbild und stammen aus einer Vielzahl von Quellen. Die Erstellung dieser Dokumente nimmt oftmals viel Zeit in Anspruch – welche dann wiederum bei der Behandlung von Patienten fehlt. Auf der anderen Seite kann eine schnelle und sichere Behandlung eines Patienten nur gewährleistet werden, wenn die nötige Dokumentation zur Hand ist. Gerade bei Überweisungen zu Fachärzten oder ins Krankenhaus ist dies häufig ein Problem, da Befunde bis zu einer Woche oder mehr auf sich warten lassen. Deshalb ist die Herausforderung heute ganz klar: Wir müssen die Erstellung von medizinischen Dokumenten beschleunigen und gleichzeitig den Aufwand für den Arzt reduzieren.

Wie kann man Ärzten helfen, Zeit zu sparen?

Eine Quelle für medizinische Dokumente, beispielsweise Arztbriefe oder Befunde, ist das Diktat. Sekretärinnen übernehmen häufig, neben ihrer täglichen Arbeit, die Abschrift dieser Diktate – meistens mit einer großen zeitlichen Verzögerung. Hier schafft Spracherkennung schnell Abhilfe, da zeitnah zum Diktatende das fertige Dokument verfügbar ist und schnell anderen Kollegen zur Weiterbehandlung zur Verfügung steht; vorausgesetzt es handelt sich um eine in das rechnerunterstützte Krankenhausinformationssystem (KIS) integrierte Lösung.

Warum bevorzugen Krankenhäuser eine integrierte Lösung statt dem günstigeren Einzelplatzsystem?

In einem Krankenhaus arbeitet man in einem Verbund. Allen Beteiligten muss die Information schnell zur Verfügung stehen. Dies kann jedoch nur gewährleistet werden, wenn verschiedene Komponenten des Krankenhausinformationssystems – also die gesamte Menge der eingesetzten IT-Produkte – nahtlos zusammenarbeiten. Und dazu zählt eindeutig die Lösung zur Sprachverarbeitung. Allein die Automatisierung der Patientenidentifikation ist für Ärzte eine große Erleichterung, da sie ansonsten bei jedem Diktat die Patientendaten mitdiktieren müssten. Einzelplatzlösungen können das nicht, weshalb sie für mich maximal eine Zwischenlösung sind. Denn sie unterstützen weder die schnellere Erstellung von Dokumenten, noch den Informationsfluss in einem Krankenhaus oder medizinischen Versorgungsverbund. Die Zukunft gehört eindeutig den integrierten Lösungen. Auch und gerade im Hinblick auf die Elektronische Patientenakte oder die Gesundheitskarte.

Elektronische Patientenakte und Gesundheitskarte zielen beide auch auf einen besseren Informationsfluss ab. Wie reiht sich hier die Spracherkennung ein?

In Deutschland arbeiten zurzeit schätzungsweise ca. 20 bis 30 von insgesamt 2200 Krankenhäusern völlig digital, also mit einer Elektronischen Patientenakte. Hier gibt es noch viel Potential, auch für Spracherkennung. Denn was zählt, und das möchte ich nochmals betonen, ist die Geschwindigkeit mit der ein Schriftstück erstellt wird, nicht die Art und Weise. Und zahlreiche Beispiele zeigen, dass Spracherkennung die Bereitstellung von Informationen eindeutig beschleunigt. Bei der Gesundheitskarte ist die Situation ähnlich, jedoch wäre hier noch die elektronische Signatur wichtig. Ich gehe aber davon aus, dass diese zukünftig stärker im Gesundheitswesen angeboten wird, und somit ein völlig digitalisierter Dokumentationsablauf möglich sein wird; auch mit der entsprechenden Rechtssicherheit.

Was empfehlen Sie Krankenhäusern, die Spracherkennung einführen wollen?

Es ist sicherlich sinnvoll, erst mal in einer Abteilung anzufangen und dort ein Pilotprojekt zu installieren. Die Radiodiagnostik eignet sich hierfür besonders gut, da Radiologen viel und lange diktieren. Hier kann man ein Gefühl für die Technologie bekommen und Erfahrungen sammeln und schließlich auch eine Einbindung in das KIS genau ausarbeiten. Bei einer Ausweitung des Systems sollte man dann insbesondere die bettenführenden Kliniken berücksichtigen. Auch bieten sich zum Beispiel die Pathologie und Rechtsmedizin an. Später ist in begrenztem Umfang auch die Pflegedokumentation als weiteres Anwendungsgebiet denkbar, denn diese macht ca. 40% des gesamten Dokumentationsaufkommens aus. Wichtig ist, dass die Prozesse des Diktierens und der Informationsweiterleitung ohne Zusatzaufwand und zeitsparend in die medizinischen Prozesse eingebunden werden. Wenn man alles richtig macht, ist Spracherkennung eine gute Hilfestellung für Ärzte, Sekretärinnen und das Pflegepersonal und stellt eine der knappsten Ressourcen im Gesundheitswesen frei – nämlich Zeit.

Prof. Dr. Paul Schmücker
Leiter AG "Informationssysteme im Gesundheitswesen" der GMDS e.V.

Hochschule Mannheim
Fakultät für Informatik
Lehrgebiet Medizinische Informatik
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